KNOW HOW Zeitungsbericht aus dem Jahre 2000
500 Büroarbeitsplätze können beim uneffektiven Umgang mit Abfällen 75.000 Mark Mehrkosten erzeugen.
In einem schlichten Vorgang der Mülltrennung schlummert ein großes Einsparungspotential. Für den Geschäftsführer der GEMOS GMbH, Thomas Lipper, ist dieses Thema mittlerweile zur Passion geworden. Anerkennung findet sein Konzept nicht nur bei vielen Krankenhäusern, auch Unternehmen unterschiedlichster Art setzen mehr und mehr auf GEMOS Produkte. Dabei fing er bei „Null“ an und geht weiter auf Expansionskurs. KNOW HOW Redakteur Klaus Wohlert sprach mit dem Abfallexperten in Wallenhorst.
KNOW HOW
Mit Ihren Wertstoff-Depots verkaufen Sie nicht nur schöne „Abfallbehälter“, sondern ein komplettes Abfallmanagement. Welche Motivation steckt dahinter?
Lipper
Es ist wie so oft im Leben: „...unverhofft kommt oft!“ Als GEMOS vor knapp zehn Jahren gegründet wurde, haben wir in unseren kühnsten Träumen nicht daran gedacht, einmal Hersteller von „Müllmöbel“ zu werden. Ursprünglich war GEMOS als Subunternehmer für einen bedeutenden deutschen Gebäudereiniger tätig. Im Rahmen dieses Auftrages wurde GEMOS mit der Wertstofftrennung und Abfallerfassung in einem großen Osnabrücker Krankenhaus tätig. Die Trennung erfolgte mehr schlecht als recht. Gemeinsam mit der technischen Leitung des Krankenhauses erkannten wir sehr schnell, dass die schlechten Trennerfolge in erster Linie durch die dort eingesetzten Behälter bedingt waren. Wir sollten nun geeignete Systeme am Markt ausfindig machen, die den Anforderungen des Kunden entsprechen würden.
KNOW HOW
Die wären ...?
Lipper
Zum Beispiel die Einhaltung des vorbeugenden Brandschutzes. Die Behälter müssen leicht zu reinigen und mobil einsetzbar sein. Variable Größen, Farbleitsystem und ansprechendes Design forderte der Kunde. Und hier beginnt die eigentliche Geschichte der „GEMOS-Abfalltrennsysteme“. Sehr schnell stellten wir fest, dass unser Kunde uns vor eine schier unlösbare Aufgabe gestellt hatte. Kein Produkt entsprach damals den Anforderungen; Fast ausschließlich wurden Kunststoffsysteme angeboten oder einfache Sackständer. Über „schöne“, praktische und bezahlbare Abfalltrennsysteme hatte sich nach unserer damaligen Erfahrung noch niemand Gedanken gemacht. Wir führten kurzerhand eine Marktanalyse durch. 1992 habe ich viel Zeit damit verbracht, mit Abfall- und Entsorgungsexperten zu sprechen. Später haben wir die in den Diskussionen gesammelten Informationen umgesetzt und erste Abfalltrennsysteme herstellen lassen, die auf der Krankenhausfachmesse „INTERHOSPITAL“ 1993 einem großen Fachpublikum vorgestellt wurden. Es war damals noch nicht unsere Absicht, die vorgestellten Messeneuheiten zu verkaufen. Vielmehr wollten wir in Erfahrung bringen, wie ein modernes Abfalltrennsystem aus Sicht der Anwender gestaltet sein muss. Alle Informationen haben wir gemeinsam mit einem Industriedesigner umgesetzt und die ersten Kunden noch 1993 mit dem Typ „WERTSTOFFDEPOT“ ausrüsten dürfen. Nebenbei bemerkt: Wir zählen bis heute bereits über 1.500 zufriedene Kunden, davon ca. 150 Krankenhäuser in Deutschland.
KNOW HOW
Sie statten viele Großbauten mit Ihren Abfalltrennsystemen aus. Wie rechnet sich an einem Beispiel der Einsatz der GEMOS Produkte?
Lipper
Zunächst geht es um Kosteneinsparung. Nahezu alle Kunden haben die gleichen Erfahrungen gemacht wie wir. Abfalltrennung spielt im Gebäudemanagement leider of eine untergeordnete Rolle. Allerdings nur so lange, bis man die Kosten für die „Restmüllentsorgung“ betrachtet. Hierzu fällt mir der Werbeslogan unseres Partners ein, der in den Niederlanden unsere Produkte mit folgendem Slogan bewirbt: „Warum bares Geld wegwerfen?“ Betrachten Sie einmal die Abfallsituation in Ihnen bekannten Gebäuden. Gibt es dort ein erkennbares, sichtbares Abfalltrennsystem? Wie findet die getrennte Erfassung von Abfällen statt, wenn sie denn überhaupt stattfindet? Eine fast alltägliche Entsorgungssituation ist doch folgende: Am Arbeitsplatz befindet sich ein Papierkorb und weitere Eimer für die Erfassung von z.B. Restmüll oder Biomüll. Glas sammelt man in der Teeküche. Zeitungen etc. kommen in einem Karton beim Kopierer. Problem Nr. 1.: Stellen Sie sich doch bitte einmal vor, wieviel zeit und Geld bei der Reinigung und Entleerung von drei Abfalleimern pro Tag und Arbeitsplatz vergeudet werden. Und wieviel Abfalltüten pro Tag benötigt werden und unnötig entsorgt werden. Wir haben mit einem Kunden einmal ermittelt, was in seinem individuellen Fall pro Tag an Mehrkosten entstehen. Rund 60 Pfennig pro Reinigungstag und Arbeitsplatz. In diesem Fall waren das bei ca. 500 Büroarbeitsplätzen Mehrkosten in Höhe von 75.000 DM pro Jahr!! Nicht berücksichtigt bei dieser Berechnung war, dass die Abfalltrennung nicht funktionierte, weil die Fraktionen nicht sortenrein getrennt wurden. Dies ist ein wesentlicher Aspekt, weil die Reinigungswagen der Gebäudereiniger überhaupt nicht für die separate Erfassung der Abfälle ausgerüstet sind. Wenn die Abfälle anschließend wieder als „gesammelte Werke“ in einem Sack landen, ist selbst die beste Absicht zunichte gemacht.
KNOW HOW
Wie vermitteln Sie das den Kunden?
Lipper
Indem wir unsere Kunden beraten. Eine systematische Abfalltrennung erfolgt semizentral. Der Papierkorb bleibt am Arbeitsplatz, weil es sinnvoll ist, ihn dort zu lassen. In den Papierkorb gehört jedoch ausschließlich die Fraktion Papier. Der Reinigungsdienst wird angewiesen, „verschmutzte“ Papierkörbe nicht zu entleeren. Auf den Fluren, an Ein- und Ausgängen, in Teeküchen und an Kopierern werden dann Abfalltrennsysteme aufgestellt. Speziell auf den Fluren werden unsere Produkte so platziert, dass jeder Ort, an dem Abfall entsteht, maximal 20 Meter von der nächsten „WERTSTOFFINSEL“ entfernt ist. Mithilfe dieser „WERTSTOFFINSELN“ wird von Beschäftigten Abfall getrennt.
KNOW HOW
Wie konkret?
Lipper
Für Restmüll, Glas, Verpackungen und Biomüll gilt: Die Inseln werden in einem festgelegten Rhythmus entleert und wenn nötig gereinigt. Die sortenrein erfassten Fraktionen werden zu den Containerplätzen gebracht und von dort aus bei Bedarf von den Entsorgern abgeholt. Noch ein kleines Rechenbeispiel? Der Markt für Altpapier hat sich mittlerweile wieder erholt, so dass man Altpapier verkaufen kann. Altpapier im Restmüll ist Geldverschwendung. Weiterhin haben Wertstoffe wie Biomüll, Verpackungen mit dem „Grünen Punkt“ und Glas nichts im Restmüll zu suchen. Filtert man diese Abfälle aus dem Restmüll hinaus, ist es kein Einzelfall, wenn GEMOS Kunden mehrere Zehntausend Mark Entsorgungskosten pro Monat einsparen.
KNOW HOW
Ist Abfalltrennung erlernbar?
Lipper
Auf jeden Fall. Wichtig ist aber, dass das Abfalltrennsystem von den Anwendern akzeptiert wird. Das soll heißen, es muss ein ansprechendes Design haben, leicht bedienbar, haltbar und robust sein. Weiterhin darf eine Abfalltrennung aus Gründen des vorbeugenden Brandschutzes auf Fluren auch nur dann stattfinden, wenn alle brennbaren Fraktionen in Behältern erfasst werden, die aus nichtbrennbarem Material bestehen und über selbstschließende Einwurfklappen verfügen.
KNOW HOW
Für welche Zielgruppe kommen Ihre Produkte grundsätzlich in Frage?
Lipper
Wie eingangs erwähnt hatten wir zunächst die Zielgruppe „Krankenhaus“. Innerhalb kürzester Zeit erweiterte sich unser Kundenstamm in jede Richtung. So gehören neben Kommunen, Schulen und Universitäten auch Banken, Hotels, Jugendherbergen, Ministerien, Industriebetriebe sowie der Groß- und Einzelhandel zu unserer Kundschaft.
KNOW HOW
Wird Ihr System bereits von Dienstleistern aus dem Bereich Gebäudemanagement mit integriert und verkauft?
Lipper
Mit den von Ihnen angesprochenen Dienstleistern kommen wir in jüngster Vergangenheit immer mehr ins Gespräch. Unser Argument, dass gerade Gebäudereiniger sich ein neues, weiteres Standbein mit „Wertstoffcontracting“ aufbauen können, ist für viele interessant. Die grundsätzliche Idee ist folgende: Der Dienstleister bietet eine wie bereits vorgehend beschriebene Abfall- und Wertstofftrennung an, z.B. mit unseren Wertstofftrennsystemen.
Die Dienstleistung besteht aus der Erfassung der Abfälle und dem Transport auf dem Gelände des Kunden oder auch darüber hinaus. Ferner ist der Dienstleister für den einwandfreien Zustand der Abfalltrennsysteme verantwortlich. Der Preis für die Dienstleistung (und für das Abfalltrennsystem) ist z.B. eine prozentuale Beteiligung an den Einsparungen bei den Entsorgungskosten. Erste Gespräche sind bereits sehr vielversprechend verlaufen und einige Gebäudereiniger bieten die beschriebene Dienstleistung so oder ähnlich seit einiger Zeit an. Wenn ich so über Ihre Frage nachdenke, schließt sich eigentlich auch hier der Kreis: 1992 haben wir als Dienstleister nache inem geeigneten Abfalltrennsystem gesucht; - im Jahr 2000 bieten wir diese Systeme an.
KNOW HOW
Wäre das nicht der nächste Schritt? Ihr Wertstoffsystem verkauft sich sozusagen von selbst?
Lipper
Das kann man so nicht sagen. Ich glaube, dass unsere Kunden unsere Beratung und unseren Vorortservice auch weiterhin sehr schätzen werden. So sind wir seit 1999 dabei, uns „INFOMOBILE“ anzuschaffen. Mit diesen Fahrzeugen führen wir bei den Kunden unsere Produkte vor, nach dem Motto:„Begreifen kommt von Anfassen.“ Nahezu alle Interessenten, die uns zu einer Vorführung unserer Produkte einladen, dürfen wir nach kurzer Zeit als GEMOS Kunden begrüßen.
KNOW HOW
Mit Ihrer neuen Produktlinie „RONDI“ haben Sie ein besonderes formschönes Abfalltrennsystem im Programm, warum ist das „RONDI“ im Gegensatz zu allen anderen Produkten aus Ihrem Hause rund?
Lipper
Das System „RONDI“ ist ein Ergebnis aus vielen Kundengesprächen. Wir sind immer wieder besonders aber von Architekten darauf angesprochen worden, ob es nicht möglich ist, runde Systeme in bewährter Qualität herzustellen. Wir bieten das „RONDI“ deshalb in sechs verschiedenen Größen an. Wir sind sehr optimistisch, dass das „RONDI“ gut angenommen wird. Zeigen wirdsich das allerdings erst auf der „ENTSORGA“ in Köln.
KNOW HOW
Herr Lipper, wir danken Ihnen für das Gespräch.